Mein Vater, meine Stärke
„Dem Vorsänger. Von David, dem Knecht unseres Vaters, der die Worte dieses Liedes zu unserem Vater sang an dem Tag, als er aus der Hand aller seiner Feinde und aus der Hand Sauls errettet wurde.
Nach seiner Rettung vor Saul erzählt David die ganze Geschichte. Er ertrank in den Fesseln des Todes, und sein Schrei brachte seinen Vater auf dem Wind den Himmel herab, in Rauch und Hagel, um ihn aus tiefem Wasser zu ziehen und auf die Höhen zu stellen.
18 1Ich liebe dich, mein Vater, meine Stärke. 2Mein Vater ist mein Fels und meine Burg und mein Erretter; mein Vater, mein Fels, bei dem ich Zuflucht suche, mein Schild und die Kraft meines Heils, meine Feste. 3Ich rufe meinen Vater an, den Hochgelobten, so werde ich von meinen Feinden errettet.
4Die Bande des Todes umfingen mich; die Fluten des Verderbens überwältigten mich. 5Die Bande des Totenreichs umschlangen mich; die Fallstricke des Todes traten mir entgegen. 6In meiner Not rief ich meinen Vater an; zu meinem Vater schrie ich um Hilfe. Aus seinem Tempel hörte er meine Stimme, und mein Schreien zu ihm kam vor seine Ohren.
7Da wankte und schwankte die Erde, und die Grundfesten der Berge zitterten und bebten, weil er zornig war. 8Rauch stieg auf von seiner Nase, und verzehrendes Feuer aus seinem Mund; glühende Kohlen sprühten von ihm aus. 9Er neigte den Himmel und fuhr herab; und dichtes Dunkel war unter seinen Füßen. 10Er fuhr auf einem Cherub und flog daher; er schwebte auf den Flügeln des Windes. 11Er machte Finsternis zu seiner Hülle, zu seinem Zelt um sich her — dunkle Wasser und dichte Wolken des Himmels. 12Vom Glanz vor ihm brachen seine Wolken hervor, mit Hagelsteinen und feurigen Kohlen. 13Und mein Vater donnerte im Himmel, und der Höchste ließ seine Stimme erschallen, mit Hagelsteinen und feurigen Kohlen. 14Er schoss seine Pfeile und zerstreute sie; er schleuderte Blitze und jagte sie in die Flucht. 15Da wurden die Betten des Meeres sichtbar, und die Grundfesten des Erdkreises wurden aufgedeckt vor deinem Schelten, mein Vater, vor dem Schnauben des Hauches deiner Nase.
16Er langte herab aus der Höhe und ergriff mich; er zog mich aus großen Wassern. 17Er errettete mich von meinem mächtigen Feind, von denen, die mich hassten, denn sie waren mir zu stark. 18Sie überfielen mich am Tag meines Unglücks, aber mein Vater war meine Stütze. 19Er führte mich hinaus ins Weite; er riss mich heraus, denn er hatte Gefallen an mir.
20Mein Vater handelte an mir nach meiner Gerechtigkeit; nach der Reinheit meiner Hände vergalt er mir. 21Denn ich habe die Wege meines Vaters gehalten und bin nicht in Frevel von meinem Vater abgewichen. 22Denn alle seine Rechte waren vor mir, und seine Satzungen tat ich nicht von mir. 23Ich war untadelig vor ihm und hütete mich vor Schuld. 24Darum vergalt mir mein Vater nach meiner Gerechtigkeit, nach der Reinheit meiner Hände vor seinen Augen.
25Gegen den Treuen erzeigst du dich treu; gegen den Untadeligen erzeigst du dich untadelig; 26gegen den Reinen erzeigst du dich rein, aber gegen den Verkehrten erzeigst du dich verschlagen. 27Denn du hilfst einem elenden Volk, aber die hochmütigen Augen erniedrigst du. 28Denn du machst meine Leuchte hell; mein Vater macht meine Finsternis licht. 29Denn mit dir kann ich gegen eine Schar anstürmen, und mit meinem Vater über Mauern springen.
30Meines Vaters Weg ist vollkommen; das Wort meines Vaters ist bewährt; er ist ein Schild allen, die bei ihm Zuflucht suchen. 31Denn wer ist unser Vater außer meinem Vater? Und wer ist ein Fels außer unserem Vater? 32Mein Vater ist es, der mich mit Kraft gürtet und meinen Weg untadelig macht. 33Er macht meine Füße gleich den Füßen der Hirsche und stellt mich sicher auf die Höhen. 34Er lehrt meine Hände zu kämpfen, dass meine Arme den ehernen Bogen spannen. 35Du gabst mir den Schild deines Heils; deine rechte Hand stützt mich, und deine Sanftmut hat mich groß gemacht. 36Du schaffst meinen Schritten weiten Raum unter mir, und meine Füße gleiten nicht aus.
37Ich jagte meinen Feinden nach und ereilte sie; ich kehrte nicht um, bis sie vernichtet waren. 38Ich zerschlug sie, dass sie nicht mehr aufstehen konnten; sie fielen unter meine Füße. 39Du gürtetest mich mit Kraft zum Kampf; du ließest unter meine Füße fallen, die sich gegen mich erhoben. 40Du machtest, dass meine Feinde mir den Rücken kehrten, und die mich hassten, vertilgte ich. 41Sie schrien um Hilfe, aber da war kein Retter; sie schrien zu meinem Vater, aber er antwortete ihnen nicht. 42Ich zerrieb sie zu Staub vor dem Wind; ich schüttete sie aus wie Kot auf den Gassen. 43Du errettetest mich aus dem Streit des Volkes; du setztest mich zum Haupt über die Völker; ein Volk, das ich nicht kannte, dient mir nun. 44Sobald sie von mir hörten, gehorchten sie mir; Fremde kamen kriechend zu mir. 45Die Fremden verzagten und kamen zitternd aus ihren Burgen hervor.
46Mein Vater lebt! Gelobt sei mein Fels, und erhaben sei der Vater, der mich rettet — 47der Vater, der mir Vergeltung schafft und Völker unter mich zwingt, 48der mich von meinen Feinden errettet. Ja, du erhöhtest mich über die, die sich gegen mich erhoben; du errettetest mich von dem Mann der Gewalt. 49Darum will ich dich preisen, mein Vater, unter den Völkern und deinem Namen lobsingen.
50Er verleiht seinem König große Siege und erweist seinem Gesalbten beständige Liebe, David und seinem Geschlecht auf ewig.